Projektladung auf Elbe und Saale

Größter europäischer Projektladungstransport über Saale und Elbe zum Hamburger Hafen

Einfahrt in Schleuse Bernburg  ©saalefreunde

Transport der Anlagenteile von Leuna nach Pfütztal ©saalefreunde

Schubverband auf unterer Havel ©saalefreunde

Umschlagstelle Pfütztal/Saale ©saalefreunde

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten konnte an Saale und Elbe ein außergewöhnlicher Schiffstransport beobachtet werden: Insgesamt acht Schubleichter wurden in Pfütztal (Saale) mit Teilen einer Chemieanlage beladen und mit vier flachgehenden Schubbooten bis zur Elbe und weiter nach Hamburg transportiert.  Transportiert wurden neben kleineren Teilen zehn Großkolli mit einer Länge von bis zu 50 Meter, einer Breite bis zu 8,30 Meter und Stückgewichten von fast 270 Tonnen.

Bereits der Vorlauf stellte den verantwortlichen Projektspediteur vor enorme Herausforderungen. Hüseyin Kizilagac, Geschäftsführer der Epi Logistics Hamburg, erläuterte: „Wir mussten für den Landtransport vom Chemiepark Leuna bis zur Umschlagstelle Pfütztal fast sechs Kilometer Fahrbahn temporär bauen oder ertüchtigen, darunter eine Brücke von 170 Meter Länge“. Über zwei Jahre Planungs- und Genehmigungsvorlauf waren erforderlich, mehrere Millionen Euro mussten aufgewendet werden, um fehlende Infrastruktur zu kompensieren. Normalerweise wären mit dem Umschlag in das Binnenschiff die größten Probleme gelöst. „Aufgrund der extrem schlechten Fahrrinnenbedingungen sowohl auf der Saale als auch auf der Elbe hatten wir große Restriktionen bei der Auswahl der Schiffe und des Zeitfensters“, so Kizilagac weiter. Obwohl die Saale weitestgehend staureguliert ist, fehlt das letzte Stück zwischen Calbe und der Elbe-Mündung: Hier ist der Fluss freifließend und damit stark niederschlagsabhängig. Das Wetter der letzten Wochen hat sowohl auf der Elbe als auch auf der Saale zu Niedrigwasser geführt.

Mit der Deutschen Binnenreederei wurde ein Reeder gefunden, der sowohl das entsprechende Equipment als auch das erfahrene Personal für diesen Transport stellen konnte. David Schütz, Projektmanager der DBR, erklärte: „Neben der Niedrigwassersituation war für unsere Schiffer die nicht regulierte Saalestrecke zwischen Calbe und Elbmündung eine echte Herausforderung. Die engen Kurvenradien bei niedrigem Wasserstand bis zur ersten Saaleschleuse erforderten höchste Konzentration.“ Auch die Abmessungen der einzelnen Teile mit Durchmessern bis zu 8,30 Meter mussten bei Brücken- und Schleusenpassagen genau beachtet werden.

Durch den hohen Einsatz aller Beteiligten sind die Teile pünktlich in Hamburg eingetroffen und stehen zur Verladung nach China bereit. Dort wird die Anlage neu montiert in Betrieb gehen.
Wesentlich einfacher wäre der Transport bei der Umsetzung des geplanten Saale-Seitenkanals, der den oben genannten Engpass auf der Saale umgehen würde. Dieser Kanal ist ein Teil des Forderungskataloges des Elbe Allianz e.V., der sich für Schifffahrt und Häfen in der Elberegion einsetzt. „Trotz Aufnahme in den weiteren Bedarf des aktuellen Bundesverkehrswegeplans ist diese Maßnahme noch nicht in Sicht“, bedauert Karina Fischer, die im Elbe Allianz e.V. die Saale vertritt und im Hauptberuf für die Auftragsabwicklung der einzigen Schiffswerft an der Saale verantwortlich ist.  „Mit dem Saale-Seitenkanal und der Umsetzung des Gesamtkonzeptes Elbe würden sich die wirtschaftlichen Bedingungen für die gesamte Region massiv verbessern und der ökologisch verträglichste Transportträger gestärkt“, betont Fischer und weist darauf hin, dass neben solchen Sondertransporten die Saale auch Potenzial für „normale“ Frachten birgt. So sind beispielsweise in Nienburg, Bernburg, Alsleben und Halle viele Unternehmen anzutreffen, die einen Teil ihres Transportaufkommens gern mit dem ökologischen Binnenschiff auf dem Wasserweg abwickeln würden.